Jüdische Geschichte Kompakt

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00:00:16: Unerhörte Geschichte, Einblicke in aktuelle musikhistorische Projekte.

00:00:21: Genau unter diesem Titel starten wir heute die neue Staffel von Jüdischer Geschichte Compact der Gemeinschaftspodcast von MMZ in Potsdam und IGDJ Hamburg.

00:00:30: In dieser ersten Folge der schon neunzehnten Staffel ist Abby Erndison zu Gast, mit der wir über ihr gerade erschienenes Buch Audible Testimonies sprechen werden.

00:00:40: Wir – das sind zum einen Anna Manny die sie gleich noch hören werden und ich Björn Siegel beide vom IGJ hier in Hamburg!

00:00:47: Und genau hier, nämlich am IGDJ war auch Abby Anderson vor genau drei Jahren als Dr.

00:00:53: Gabriele Meyerfellow zu Gast und wir konnten in gemeinsamen Gesprächen und Veranstaltungen Einblicke in ihre Forschung zum Musik-als Erinnerungsträger in der Nachgeschichte des Holocaust mehr erfahren und erhalten vor allen Dingen.

00:01:06: Während sie damals noch Quellen sichtete, liegt nun das Ergebnis ihrer langjährigen Forschung vor – und wir freuen uns natürlich sehr mit dir liebe Abby darüber sprechen zu können!

00:01:17: Damit auch Sie, liebe Hörerinnen und Hörern sich kurz ein Bild machen könnten.

00:01:22: Mit wem wir heute reden?

00:01:23: Und wen Sie heute kennenlernen können?

00:01:25: Hier vielleicht noch einige kurze Sätze zu Abby Erndeten!

00:01:29: Und damit übergebe ich auch schon an Anna Manny mit der Ich die neunzehnte Staffel zusammenkohortiert habe – und damit sage ich herzlich willkommen Anna!

00:01:38: Ja danke Bjorn und liebe Abby auch von mir ein herzliches Willkommen.

00:01:42: Ich freue mich diese Folge gemeinsam mit dir gestalten zu können.

00:01:46: Abby Anderson ist Associate Professor of Music am Beruch College und am Graduate Center der City University auf New York, von wo sie uns heute auch zugeschaltet ist.

00:01:55: Also zumindestens aus New York!

00:01:58: Sie forscht zu Musik als Erinnerungsträger- und Selbstzeugnis zum Holocaust, zu weiblichen Komponistinnen und zur Musik nach Katastrophen.

00:02:05: Sie zeigt dabei eindrücklich wie Musik mit Überleben, Erinnerungen und Neuanfang zu tun hat und wie Musik eben eine Quelle dafür sein kann.

00:02:14: Bekannt wurde sie mit ihrem Buch Rubble Music occupying the ruins of post war Berlin, das die Berliner Musikkultur unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches untersucht.

00:02:23: In ihrem neuen und eben schon von Björn erwähnten Buch Audible Testimonies Surviving The Third Reich in music and media, das es im Jahr geht sie der Musik weiblicher Holocaust-Überlebender im Nachkriegsdeutschland nach und macht hörbar, was lange nur zwischen den Zeilen der Geschichte mitschwangen.

00:02:41: Und über dieses Buch möchten wir heute mit ihr

00:02:44: sprechen.".

00:02:44: Genau!

00:02:45: Damit wären wir eigentlich auch schon mitten in unserem ersten Gespräch und der ersten Folge.

00:02:50: also erst auch mal dir Abby Enderton herzlich willkommen und schön dass du dir Zeit nimmst mit uns ins Gespräch zu kommen und bei jüdische Geschichte kompakt dabei bist.

00:03:00: Vielleicht magst du unsere Hörerin kurz auch noch mal begrüßen?

00:03:04: Hallo ihr Lieben!

00:03:05: Vielen, vielen Dank für die Einladung.

00:03:07: ich habe mich wirklich gefreut hier zu sein heute und einfach ins Gespräch mit euch zu kommen.

00:03:15: Ja damit würde ich sagen steigen wir auch direkt in das Gespräch ein und wir haben jetzt ja schon zu deinen Forschungen und über deinem Buch ein wenig gehört.

00:03:23: Mich würde vielleicht interessieren Wie du eigentlich dieses Buch erarbeitet hast, wie du in dein Forschung vorgehst.

00:03:30: Für uns als Historikerin stehen ja oft schriftliche Quellen im Vordergrund.

00:03:35: aber welche Quellen geht es eigentlich wenn man sich mit der Musik der Vergangenheit befasst?

00:03:40: Wie schafft man es Quellen vielleicht zum Kling zu bringen oder auch die historischen Tonwelten wieder aufleben zu lassen?

00:03:47: was sind deine Quellen?

00:03:47: wie gehst du davor?

00:03:49: Danke Anna für die Frage.

00:03:51: das ist eine tolle Formulierung.

00:03:55: Und als erstes kann man sagen, dass eigentlich viele Musikbeispiele was ich im Archiv gefunden habe sind nicht mehr vollständig.

00:04:05: Das heißt man müsste quasi von also kleine Fragmenten da zusammen das basteln oder man hat vielleicht ein Liedtext wo man einfach die Wörter lesen kann aber ist nicht mehr so sicher, also wie die Melodie klingt oder Harmonie klingt.

00:04:26: Und dass es erstmal quasi ein Spurensuche alles wieder zusammenzukriegen und vielleicht in einen anderen Form das Projekt einzubringen.

00:04:41: Ich denke eigentlich an die Musik von Erich Adler, der war eine jüdische schächische Überlebender.

00:04:49: Der hat viele Sachen zu seiner Zeit in Terrasin komponiert aber seine Musik wurde nie während seines Lebens veroffentlicht Und die meiste seine Sachen sind einfach noch im Archiv.

00:05:04: Akademie der Künste in Berlin hat die größte Minge von seinen Dokumenten und Noten gesammelt, da kann man die Noten sehen und lesen aber die sind eher drafts.

00:05:20: Die sind nicht wirklich Schriften was er geschrieben hat und man muss dann quasi durch die verschiedene Noten beschrieben hat, nach fünfundvierzig zu seiner Seite in Terrasin einfach zusammen kombinieren und versucht seine Geschichte und seine Story dann klarzumachen.

00:05:42: Du hast ja gerade so schön schon gesagt dass du sich auf die Spurensuche begibst und so Puzzleteile zusammen finden musst.

00:05:50: vielleicht meine nächste Frage dahingehend weil natürlich wir auch wenn man mit textlichen Quellen vornehmlich arbeitet bewusstes Umgang mit was nicht geschrieben wurde, was nicht aufgenommen.

00:06:03: Du hattest gerade schon angesprochen dass du natürlich viele Teile hast die sozusagen gar nicht klingen wenn man in deinem Kontext reden möchte.

00:06:12: Wie gehst du vielleicht auch um?

00:06:14: Mit diesen nicht erklingenden Quellen und vielleicht auch nastille oder stillen Quellen die du sicherlich auch hast in dein Sample oder in deinen Suchen in den verschiedenen Archiven die du uns gerade schon kurz vorgeführt hast.

00:06:28: Ja, also was interessiert mich eigentlich an solche Projekten war die Musik und die Erfahrung von Leuten, von denen ich vorher nicht gehört hatte.

00:06:40: Also die Leute, was sie in deren Alltag gemacht haben als Musiker oder Musikerinnen während des Drittes Reiches.

00:06:48: Und natürlich wir kennen viel über zum Beispiel Arnold Schönberg oder Benjamin Britten.

00:06:56: Oder Steve Reich, also Leute wo man sagt wow die haben wirklich wunderschöne Musik zum Zweite Weltkrieg oder Holocaust geschrieben Gedächtnis und sowas Erinnerung, Erinnerungs-Kultur.

00:07:10: Also diese toller riesen Figuren stehen da wirklich im Zentrum.

00:07:15: Und mit diesem Projekt, ich habe mich ein bisschen beschäftigt.

00:07:18: Mit Leute die vielleicht auch nicht als Berufsmusiker tätig waren Frauen die vielleicht nichts Musik studiert haben sondern was anderes und wie also Lieder-Song und Aufführungen haben für die eine ganz wichtige Rolle gespielt in der Nachkriegzeit als quasi Medium durch was die einfach Trauma arbeiten können oder durcharbeiten können.

00:07:49: Und ich denke, wenn man denkt an die Archivquellen das ist eine riesen Herausforderung dass viele Aufnahmen und andere Sachen sind einfach nicht mehr oder wurde einfach nicht gemacht.

00:08:03: also wir haben zum Beispiel ein faszinierendes Bild von einem Aufführung auf der Nürnbürger Bühne, aus einer X-Concentration Camp Orchester.

00:08:17: Die haben deren KZ Uniform angehabt und waren da auf die Einladungen des US Army und auch die andere Alliierte Juristen an dem Nürrnbürgeprozess zum Nürrinbürger Stadtstheater eingeladen in Bayerien.

00:08:34: Also Ghetto-Lieder gespielt und andere KZ-Lieder gespielt usw.

00:08:39: Und wenn man das Bild sieht, die sind wirklich mittendrin am Spielen und ein Sänger steht da vorne auf der Bühne in einer rekonstruierter KZ Uniform.

00:08:50: Die stehen quasi vor einem Stacheldraht hinter, der einfach kunstlich gemalt worden ist.

00:08:59: aber wir haben leider keinen Aufnahmen mehr.

00:09:01: Und das heißt, man muss einfach denken an Musik in einem anderen Form quasi.

00:09:06: Also visuelle Musik oder einfach die Vibrierung von dieser Zeit als Musik statt, die Musik zu hören zu können quasi.

00:09:19: Sozusagen sich auch so ein bisschen über andere Quellen versuchen der Musik zu nähern und die Musik rauszulesen aus den Quellen, die überliefert worden sind?

00:09:28: eben genau richtig.

00:09:29: Und das ist was ich fand auch sehr faszinierend bei diesem Projekt, also natürlich man hat Archivequellen aber man hat auch Leute als Quellen und ich habe den Kontakt aufgenommen mit die Kinder oder Enkelkinder von Musikern, die den Holocauster in Dritter Reich überlebt haben Und die waren immer sehr, sehr hilfsbereit und haben mir auch Materialien dazu gegeben.

00:09:54: Jalda Reblings zum Beispiel, die Tochter von Linialdati.

00:09:58: Vielleicht können wir ein bisschen mehr über LinialDati gleich sprechen.

00:10:02: Sie ist eine der Tochterinnen, die Vergangenheit ihres Mutters zu tun hat.

00:10:08: Und sie hat mir auch ganz liebevoll eingeladen, Tee zu trinken und auch Sachen auszutauschen.

00:10:13: Das Orchester, wem ich gerade erwähnt habe Die Ex-Concentration Camp Orchestra Ein Riesenteil davon sind eigentlich nach Amerika Nach Nürnundvierzig umgesiedelt.

00:10:25: Ich bin auch im Kontakt mit deren Kinder und Enkelkinder Sonja Becker.

00:10:29: unter allerem haben wir auch Sachen gegeben Fotografen, Programmsätteln und auch andere persönliche Dokumenten.

00:10:36: Und ich bin immer sehr dankbar an die Leute, dass sie das quasi gesammelt hat und geforscht hat.

00:10:42: Dann können wir es einfach weiter geben, weiter

00:10:46: schicken.".

00:10:47: Du hast ja gesagt, du dich zumindestens jetzt in diesem Buch mit eher unbekannteren Personen und vor allen Dingen Frauen befasst?

00:10:56: Das ist ja gar nicht so einfach auf diese Personen zu stoßen in den Archiven oder eben auch die Nachfahren dieser Person und damit dann auch auf die Familienarchive, die du eben erwähnt hast für die Überlieferung von Musik- und Musikwellen wichtig sind.

00:11:08: Deswegen würde mich da nochmal interessieren wie bist du davor gegangen?

00:11:11: Also wie bist Du zu denen Personen gekommen, die Du am Ende eben untersuchst?

00:11:14: Du hast eben mit Linialdatischen eine genannt.

00:11:17: Genau!

00:11:18: Ich habe ein bisschen rumgeschaut und versucht Musik im breiteren Sinn einfach zu verstehen, also Musik als natürlich Noten, Musik als Aufführungen, Musik aus Aufnahmen und so.

00:11:35: Und dann quasi das Team nicht zu einschränken wo man sagt es muss eine Komponist sein oder Komponsisten sein sondern einfach Musik zu betrachten als ein Medium wodurch Leute die Trauma einfach ein bisschen reflektieren können Auch in einer Zeit, vor diese Sachen klar in Worte ausgedruckt konnte quasi.

00:12:02: Und ich habe mich auch interessiert für die Geschichte und Erfahrungen von Leuten, die vielleicht sehr unterschiedliche Erfahrungen hatte.

00:12:11: Zum Beispiel den Yaldati war natürlich in mehreren Konzentrationslagern und dann ist sie irgendwann mal nach Ostberlin, nach dem Krieg mit Mann und ihre zwei Kinder gesiedelt und ist da sehr aktiv und sehr tätig als ein Holocaust-Überlebender aber auch jemanden der sehr an dem kommunistischen Projekt glaubte kämpfte.

00:12:38: Und also viele ihre Lieder wurden natürlich jüdische Lieder und wieder aus dem Quadset, aber andere kommunistische oder sozialistisches Lieder

00:12:49: usw.,

00:12:50: das war auch ihr sehr wichtig sich zu präsentieren.

00:12:56: Ein anderer Frau mit dem ich sehr beschäftigt hieß Eleonis Stockhausen.

00:13:02: Sie war eine sehr berühmte Pianistin und hat dann so vierzig, fünfzig Jahre in Berlin gelebt und hat überlebt eigentlich weil sie mit einem katholischen Wissenschaftler verheiratet war und konnte quasi in deren eigene Wohnung leben, also diesen jahrelang.

00:13:21: Aber wir haben nicht so viel über ihr was sie gemacht hat und wir haben leider kein Aufnahmen.

00:13:26: Sie wurde sehr bekannt für Beethoven und andere romantische Repertoire sehr hoch gefeiert und groß gefeuert wurde aber von ihr.

00:13:36: wir haben keine Tagebüch wir haben fast nix wir haben nur ein paar Dokumenten zu ihr weil vor drei zehn Jahre hat jemand eine Kasten gefunden.

00:13:48: Und der Kasten sollte einfach weggeworfen sein aus einer Altbauwohnung in Berlin, hat aber diese neugierige Fahrradfahrer dieser Kassen geöffnet und dachte oh wow hier gibt es ein paar Bilder, paar Dokumenten, hat das dann aber weiter an Akademie der Krünste Berlin weitergeleitet.

00:14:08: In diesen Kasten ist praktisch fast alles was wir haben.

00:14:11: zu Eleone Stockhausen große Karriere, sie hat mehrmals in Berliner Philharmoniker gespielt und würde vor allem als Kamermusikerin bekannt eigentlich.

00:14:23: Das ist ja ganz spannend dass die Überlieferung von so wenigen Quellen dann doch ein ganzes Universum aufmachen kann und man die Spurensuche wie du es am Anfang schon gesagt hast wirklich ja beginnt und man eintaucht in einen Menschen und letztlich auch in die vielleicht auch Funktionen die Musik für den oder die jeweilige andere einnehmen konnte.

00:14:44: und vielleicht dahingehend kannst du uns da vielleicht noch ein bisschen mehr Facetten sozusagen aufzeigen.

00:14:52: Welche Funktionen?

00:14:53: Du hattest gerade schon so eine Art, ich sag mal Bewältigung oder Trauma, Auseinandersetzung.

00:14:59: Oder eben sozusagen die zeitgenössische Verarbeitung ist vielleicht ein so eine Funktion.

00:15:04: aber gibt es noch weitere Funktionen, die dir in den verschiedenen Biografien entgegengetreten sind wozu sozusagen Musik fähig war und vielleicht auch uns ne neue Facette aufmachen kann um die jeweiligen Personen zu verstehen?

00:15:18: Ja also was echt sehr faszinierend gefunden hat während der Forschung war, dass Musik hat so viele verschiedene Rollen für Leute gespielt.

00:15:28: Also man denkt vielleicht heutzutage.

00:15:30: ja das wurde irgendwie als Support in ein sehr schwieriger Zeit oder das war quasi als Resistance bezeichnet oder was auch immer.

00:15:43: aber die Quellen sind da ein bisschen komplexer finde ich und Leute haben Musik benutzt für so viele verschiedene Gründe.

00:15:54: Und ich denke eigentlich an diese sehr faszinierende Frau, sie hieß Ludmilla Pescoova.

00:16:00: Sie war eine politische Gefangenen in Ravensburg und hat dann aber in Ravennsbruck Lieder komponiert.

00:16:09: Sie hat dann ungefähr ein faszinerendes Ravensbruck-Lieder Zeitlust geschrieben, wo vierzehn Lieder darin stand.

00:16:21: Und in der Zeit, wo sie geschrieben hat, hat sie wenig Aufgriff auf Papier und Notenpapier natürlich und Bleistippte und so.

00:16:31: Das heißt die konnte eigentlich nur drei Stücke selber schreiben.

00:16:36: Sie war ausgebildete Sängerin und Musiklehrerin eigentlich und deswegen also die Texte, sowohl auch als die Noten einschreiben.

00:16:47: Und sie hat dann hinter der Baracke die Musik komponiert und auch an anderen unterrichtet quasi, die haben quasi geübt.

00:16:56: dann falls die ein bisschen Freizeit hatte aber natürlich müssten Sie dann sehr vorsichtig sein.

00:17:03: Was ich sehr faszinierend fand war das Ludmilla Pascerova Natürlich hat überlebt, sie wurde befreit.

00:17:09: Sie ist wieder in Czech Republic nach Hause gekommen zu ihr Sohn Ivan und dann hat sie sich mit diesen Melodien immer noch befasst – zwanzig Jahre lang!

00:17:21: Und sie hat erst nach dem Krieg die meiste dieser Melodie einfach ins Noten gesetzt und auch den Harmonies auch da drinnen die einfach sehr vorsichtig notiert und hat das mehrere Mal zu verschiedenen Varianten auch gemacht.

00:17:39: Und für Erinnerung- und Gedächtniskultur, das fand ich sehr faszinierend, dass sie sich immer noch nach zwanzig Jahren mit diesen Melodien beschäftigt als Erinnerungskultur.

00:17:52: Wir wissen auch, dass Sie viel über die Zeiten Ravensburg präsentieren.

00:17:58: zu Schulkinder an ihre Schule und auch in der Aufwendlichkeit.

00:18:03: Aber leides sind alle diese Aufnahme verloren gegangen!

00:18:07: Und sie ist dann quasi ins Licht aufgetaucht, weil eine andere überlebende Frau.

00:18:14: Sie hieß Inge Lämmer und kam ursprünglich aus Berlin, aus Berlin-Pankau.

00:18:20: Sie ist aber mit einem Kindertransport nach England transportiert worden mit ihrer Schwester und die beiden haben überlebt.

00:18:28: Nach dem Zweiten Weltkrieg ist sie zurück nach Ostberlin wieder gekommen und hat dann einen riesen sozialistischen Liederarchiv aufgebaut.

00:18:39: Und hat dann quasi Liedern aus dem KZ gesammelt, in einer Zeit in der sechsiger Jahre wo da waren also fast kaum Interesse oder eine sehr geringe Interesse natürlich für die Ton-Dokumente und Melodie Dokumente aus dieser Zeit.

00:18:57: Und Ludmila Pascarova diese faszinierende Politische Gegnerin hat dann Ingela Merkel geschrieben und ihr einfach die Lieder geschickt.

00:19:06: Und deswegen wissen wir heute, dass Ludmila Peskerova immer noch am Arbeiten an diese Lieder nach dem Krieg worden war.

00:19:14: Du hast jetzt ja gerade schon beschrieben welche Bedeutung Musik für Einzelne hatte sowohl während der Haft in den Konzentrationslagern aber dann eben auch in der Zeit danach für die Aufarbeitung, für Erinnerungen wie sich das vermutlich auch in den Jahrzehnten gewandelt hat.

00:19:32: Du beschreibst auch dass in den Zeitzeugeninterviews und auch ganz frühen Zeitzeugentvues etwa die von Boda geführten Interviews Musik schon eine wichtige Rolle gespielt hat.

00:19:43: Dass etwa zum Teil auch gesungen wurde in dem Interviewaufnahmen.

00:19:48: Kannst du dazu noch ein bisschen mehr sagen?

00:19:49: Weil das war jetzt einer Aspekt, der mir auch nicht bekannt war und den ich sehr spannend finde.

00:19:54: Sehr gerne!

00:19:54: Also, der Dr.

00:19:57: David Boder hat eine von die frühesten klangende Interviews nach dem zweiten Weltsee gemacht.

00:20:05: Er hat mit einem riesen Aufnahmenapparat nach Europa gebracht Peacamps gemacht in Frankreich, Deutschland und Italien.

00:20:22: Und hat also mehrmals Leute gefragt ob die ein Lied singen konnte?

00:20:27: Ein Lied was die entweder vor dem Krieg kannte während dem Kriegs- und Holocaust kannte oder dann irgendwas was sie gleich gelernt habe.

00:20:39: In mehrere Interviews haben die Leute einfach gesungen Und das ist auch ein sehr faszinierendes, klängliches Dokument jetzt für Forschern.

00:20:50: Die echte Stimme von die Leute zu haben in diese Aufnahme in eine Zeit wo es einfach nicht normal oder erwartet wird dass man die echten Quellen hören können.

00:21:04: und einer was mir immer selber eindruckt hat war von Ludwig Hamburger der ist in Polen geboren Und als neunzehnjähriges Junge hat er dann Ohr Buchenwald das Buchenwald-Lied für David Boder gesungen.

00:21:21: Man kann dann seine klare Stimme hören und ein bisschen von seinen eigenen Erfahrungen erwähnen, während er dieses Lied singt.

00:21:33: Ohr Buchenweit ist auch ein sehr komplexes Lied, das wurde eigentlich vom dem Lageführer als Auftrag geschrieben, wie viele die KZ hatten.

00:21:47: Also Anthems und Hymne, wo natürlich unter Zwangskonditionen geschrieben wurde oder Buchenwald von Fritz Lörner-Bede und Hermann Leopoldi aus Wien geschrieben.

00:22:01: Und das ist aber auch irgendwann mal durch die Jahre als Resistance-Lied verwandelt worden, vor allem nach dem Krieg.

00:22:12: Ja das sind ja so ganz besondere Quellen und ich glaube wir können sogar einen kleinen Ausschnitt hier einspielen lassen.

00:22:20: Wir probieren das mal technisch umzusetzen Und hören mal rein in die Aufnahme von Boda.

00:24:04: Genau wie gesagt es ist eine kleine Schnitt aus Obuchenwald In seine Aufnahme, vor allem wie wir hören können ist es eher sagt ganz deutlich.

00:24:17: Wir wollen trotzdem ja zum Leben sagen und auch das letzte Satz denn einmal kommt der Tag dann sind wir frei!

00:24:27: Und man kann auch denken was für eine andere Bedeutung das hatte also während die Internierung als nach fünfund vierzig zu singen und das finde ich auch faszinierend.

00:24:39: die andere Bedeutung natürlich, was die Texte angeht nach der Befreiung.

00:24:46: Und vielleicht auch noch mal spannend zu sehen – das hast du eben auch angesprochen?

00:24:49: Dass es sowohl diese persönliche Bedeitung und Funktionen gibt aber eben auch die Kollektive für eine Gemeinschaft in Form von Umdeutung als Widerstand oder eben auch für die Erinnerungen an bestimmte gemeinsame erlittene Erfahrungen.

00:25:04: Eben!

00:25:04: Und auch mit manchen Liedern Die Beziehung, die Leute hatten zu dem Lieder und wie das dann durch die Jahre geändert sind.

00:25:13: Also was sie als Interpretation geändert hat oder aus Ausdrucksmittel geändert haben.

00:25:23: Das finde ich immer sehr interessant zu hören.

00:25:26: Da gibst du uns ein gutes Stichwort.

00:25:28: Sondern wenn wir uns der Gegenwartsperspektive zuwenden hast du da... gewisse prototypische Veränderungen vielleicht auch feststellen können, wie die jeweiligen Gegenwartsblicke auf die Musik, die du untersucht hast sich verändern.

00:25:43: Also ist es immer die gleiche Funktionsweise, die man in die Musik hinein lesen möchte.

00:25:49: oder gibt es auch über die?

00:25:51: ja in deiner Forschung Der Zeitraum, den du dir anguckst aus den jeweiligen Gegenwarten nach, ist auch Veränderung in der Wahrnehmung oder auch der Funktion der Musik, die du in deinen Beispielen erklingen lässt.

00:26:06: Ja ich bin es!

00:26:07: Natürlich ist das Internet eine unglaubliche Quelle und das ist unglaublich wenn man guckt.

00:26:14: Also jedes Jahr kommt ein neues Album raus oder eine neue Interpretation von Sachen wo man denkt, ah niemand würde das wahrscheinlich finden oder dass es sehr schwer zu finden?

00:26:27: Eigentlich nicht und das finde ich so spannend.

00:26:30: Und zum Beispiel, da wurde ein Projekt von Yale's Portunov Library und diese unglaublich schöne Zeugnis Collection in zwei Tausend drei und zwanzig Songs from Testimonies und man kann dann einfach Songs From Testimonys Portunav Archive im Internet eingeben und dann tolle Beispiele, mehr als hundert Beispieler aus verschiedenen Zeitzeugen-Interviews wo die einfach mitsingen.

00:26:59: Und Musik machen!

00:27:01: Ich finde es auch sehr spannend heutzutage wenn man einfach die Programme von verschiedene Institutionen anguckt wie oft die mit diesen Themen und Fragen sich beschäftigen, also entweder Elbphilharmonie in Deutschland oder Berliner Philharmoniker natürlich.

00:27:19: Aber auch Carnegie Hall und andere Presenters wo einfach das Musik aus dem Zeit der Holocaust mehr gespielt worden ist und kann dann quasi ein breites Publikum dann finden.

00:27:36: Würdest du sagen, weil du gerade die Möglichkeiten angesprochen hast?

00:27:40: Die auch Online-Archive bieten dass die Digitalisierung oder auch digitale Methoden nochmal neue Impulse geliefert haben.

00:27:48: Weil sie einfach Tonquellen leichter zugänglich machen.

00:27:53: Sie auch ja konvertieren in Formate, die heute wieder lesbar sind und das sich damit auch noch mal sozusagen neue Perspektiven geöffnet haben oder eher öffnen?

00:28:02: Genau!

00:28:03: Absolut!

00:28:04: Und das finde ich wirklich toll für aus verschiedenen Gründen und Perspektiven, aber das ist einfach toll ins Gespräch zu kommen mit Leute um Quellen wo man dachte dass es sicherlich schon verloren gegangen.

00:28:21: Das ist immer ein tolles Gefühl also was zu finden mit oder ohne Tönen und dann einfach ein bisschen daran zu arbeiten zu können.

00:28:32: Das ist glaube ich eine gute Überleitung, denn man glaubt es kaum.

00:28:35: Wir sind schon wieder fast am Ende der Folge und vor dem Hintergrund des was könnte man vielleicht noch entdecken?

00:28:41: Welcher Ort könnte für die Hörerinnen und Hörern interessant sein den du ihnen an die Hand geben könntest oder ans Ohr legen könntest wo sie vielleicht einige Aspekte aus dem Podcast-Gespräch nochmal Nachhören nachklingen lassen könnten?

00:28:56: Hast du da vielleicht eine Empfehlung für unsere Höreren Sie dieses gesamte Thema neben natürlich dem Lesendeines Buches, aber vielleicht in einem anderen Ort nochmal nachhören können.

00:29:09: Genau!

00:29:10: Also ich würde sagen wahrscheinlich die tolle Website von dem Fortuna Archive und vor allem diese Songs from Testimony Projekt der in... also im Jahr zwölfundzwanzig veröffentlicht wurde kann man da viele verschiedene Lieder hören und auch verstehen Also der Roller, die im Gespräch gespielt haben und überleben.

00:29:35: Ja super!

00:29:36: Das ist ein ganz toller Tipp.

00:29:37: Surfen Sie einfach mal rein auf den Link, die natürlich in den Show-Notes auch einsehbar sind.

00:29:43: Uns bleibt eigentlich nur herzlichen Dank dir zu sagen Abby für das spannende Gespräch und natürlich sie die Behörerin dazu einzuladen auch das Buch von Abby Anderton zu lesen, zu kaufen oder auf die jeweilige Homepage vielleicht nochmal zu surfen.

00:29:56: also herzliche Dank.

00:29:57: nach New York von uns beiden Genau, aber vielleicht möchte Anna auch noch einen kleinen Gerust sagen.

00:30:02: Ja vielen Dank auch von mir für dieses spannende Gespräch ja die vielen Perspektiven, die du uns eröffnet hast nochmal gezeigt hast wie Musik, Biografie miteinander verbunden sind und vielleicht auch Quellen, die scheinbar bekannt sind durch diesen neuen Blick über die Musikgeschichte nochmal andere Aspekte eröffnen und anders gelesen und gehört werden können.

00:30:23: also vielen dank auf von meiner Seite.

00:30:25: Vielen Dank!

00:30:27: Damit

00:30:28: sind wir auch schon wieder am Ende der ersten Folge, der neunzehnten Staffel von jüdischer Geschichte Kompakt zum Thema unerhöhrte Geschichte.

00:30:37: Einblicke in aktuelle Musikhistorische Projekte.

00:30:40: Und wir freuen uns natürlich, wenn Sie auch wieder am nächsten ersten Freitag dann des Monats Oktober einschalten und mit Anna Manny und mir ins Gespräch mit Sophie Fettauer und Friedrich Geiger kommen werden – und Fragen zur Lex-M Datenbank einem Langzeit vorhaben unter anderem der Akademie der Wissenschaften in Hamburg zu Musikgeschichte nachgehen werden!

00:31:01: Bis dahin bleiben sie gesund und interessiert.

00:31:04: Wir hören

00:31:04: uns.

Über diesen Podcast

Herzlich Willkommen bei Jüdische Geschichte Kompakt.

Auf unserem neuen Kanal können Sie einzelne Forschungsprojekte zur deutsch-jüdischen Geschichte und Gegenwart genauer kennenlernen und neue Perspektiven auf vermeintlich Alt-Bekanntes erhalten.

In unterschiedlichen Staffeln können Sie so wie durch ein Schlüsselloch einen Blick auf das weite Feld der Forschung zur deutsch-jüdischen Geschichte werfen und dabei gleichzeitig ganz bequem von zu Hause aus Neues und Interessantes über unser Land und unsere Geschichte erfahren. Die Staffeln werden mal gemeinsam, mal abwechselnd vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden (www.igdj-hh.de) in Hamburg und dem Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien (www.mmz-potsdam.de) in Potsdam bespielt.

An jedem ersten Freitag im Monat wird eine neue Folge des Podcasts online geschaltet und damit ein neuer Blick auf die jüdische Geschichte und Gegenwart freigegeben.

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Reinhören. Bleiben Sie interessiert und gesund!

Ihr Jüdische-Geschichte-Kompakt-Team

von und mit Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg (Björn Siegel) und Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien, Potsdam (Miriam Rürup)

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