Jüdische Geschichte Kompakt

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00:00:20:

00:00:21: Herzlich Willkommen zu vierten und damit letzten Folge der Themenstaffel Geschichten der Deutsch-Jüdischen Diaspora im Podcast Jüdische Geschichte Kompakt, einer Gemeinschaftsproduktion des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg und des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam.

00:00:37: Mein Name ist Lisa Sophie Gepardt und gemeinsam mit meinem Kollegen Lutz Fiedler fragen wir uns was passiert wenn Menschen ihr Zuhause verlassen müssen aber ihre Sprachen, Kulturinnen und Erinnerungen mitnehmen?

00:00:49: Im Mittelpunkt stehen hier die vielschichtigen Erfahrungen deutschsprachiger Jüdinnen und Juden, die vor allem nach nineteenhundertdreißig und achtund dreißig aus ihren Herkunftsländern emigrierten oder fliehen mussten.

00:01:02: Wir sprechen darüber, wie Sie und Ihre Nachkommen an Orten – wie Buenos Aires, Jerusalem London New York oder Shanghai – Ihren Alltag gestalten.

00:01:12: Inwiefern sie lokale und transnationale Gemeinschaften aufbauten?

00:01:16: Und wie Sie mit Ihrer deutsch- jüdischen Herkunft nach der Shoah umgingen?

00:01:20: Um Fragen der Herkünft des Erbes unter Erinnerung geht es auch in der heutigen Folge!

00:01:25: Sie knüpft damit an unser letztes Gespräch an das wir gemeinsam mit dem Autor Stephen Less führen konnten.

00:01:31: Darin ging es um die Flucht seines Vaters von Berlin nach Shanghai und die sehr persönliche Frage, wie diese traumatische Fluchterfahrung innerhalb der Familie Arenat wurde.

00:01:41: Die Folge heute wird mit sich dem Leo Beck-Institut, das die vielen individuellen Geschichten und Schicksale der deutsch- jüdischen Diaspora wissenschaftlich bündelt und auf einer institutionellen Ebene Arenat Dass nineteenhundertfünfundfünfzig in Jerusalem gegründete Institut das zahlreiche Initiativen in dieser Hinsicht realisiert hat, ist dabei selbst integraler Bestandteil dieser Diaspora.

00:02:04: Denn eine diaspora zeichnet aus dass sie eigene zugehörigkeitsstiftende Erinnerungsräume schafft.

00:02:12: Gemeinsam mit der Historikerin Rudnattaman wollen wir bei die zentrale Bedeutung des Leobeg Instituts als der bis heute wichtigsten Dokumentations- und Forschungseinrichtungen für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums sprechen.

00:02:26: Sie wird uns mehr darüber erzählen, wie sich das LBI – wie wir es im Folgenden auch nennen werden – mit seinen drei unterschiedlichen Arbeitszentren als eine länderübergreifende diasporische Gedächtnisgemeinschaft etablierte.

00:02:39: Als Koordinatoren des Projekts Geschichten der Deutsch-Jüdischen Diaspora, das in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des LBI am Moses Mendelssohn Zentrum realisiert wird, möchte ich mich besonders herzlich bedanken dass Sie uns auf unserer Reise durch diese Staffel begleitet haben.

00:02:55: Wir wünschen Ihnen beim Hören der Abschlussfolge die einen Bogen zu den Anfängen der Deutschschüdischen diaspora in Ihrem Bemühen um Erinnerung Dokumentation und Erforschung bis in die Gegenwart schlägt viel Freude!

00:03:08: Angesichts dieses thematischen Bogens, den wir heute schlagen wollen.

00:03:11: Aber auch vor dem Hintergrund der vielfältigen Fragen und Perspektiven die wir bereits in dieser Podcaststaffel angesprochen haben ist es mir nun eine ganz besondere Freude ihn, die Behörerinnen und Hörer mit Ruth Nattermann unseren heutigen Gast vorzustellen Denn wir hätten für diese Zusammenschau, die zugleich auf die Geschichte des Leo Beck Instituts fokussiert kaum eine kompetentere Gesprächspartnerin finden können.

00:03:35: Hutnattermann ist Leiterin des DFG-Projekts Transnationaler Humanitarismus und Flüchtlingspolitik im Zeitalter der Weltkriege am Research Center Global Dynamics, der Universität Leipzig.

00:03:48: Zugleich ist sie Privatdozentin für neuere und neuste Geschichte an der LMU München.

00:03:54: Hutnattamans Forschung, Lehre und Publikationen konzentrieren sich auf die europäische und europäisch jüdische Geschichte des XIX bis XXI Jahrhunderts in ihren transnationalen und globalen Zusammenhängen.

00:04:07: Mit einem besonderen Interesse für die Geschlechtergeschichte, die Geschichte von Flucht- und Humanitarismus – die vergleichende Faschismusforschung sowie die deutsch- jüdische und italienisch-jüdische Geschichte.

00:04:20: Sein Niederschlag hat es auch in ihren zahlreichen Publikationen gefunden, von denen ich mit Blick auf unsere heutige aktuelle Podcastfolge dennoch nur zwei hervorheben will!

00:04:31: Einerseits die kurze Geschichte des Leobäck-Instituts, die im vergangenen Jahr unter dem Titel «Sebzig Jahre Leoback-Institute» deutsch jüdische Geschichte in der Diaspora behändrig und händrich erschienen ist.

00:04:44: Darüber hinaus aber lohnt sich immer wieder ein Blick in ihre bereits zwei Tausendvier im Essener Klartextverlag erschienene Dissertation, deutschjüdische Geschichtsschreibung nach der Shoahn – die Gründungs- und Frühgeschichte des Leopäckinstituts!

00:04:59: Beide Titel finden Sie auch in den Schonuts zu unserer Podcastfolge aufgeführt.

00:05:03: Jetzt aber wünschen wir Ihnen zuallererst viel Spaß bei unserem Gespräch mit Ruth Nattermann!

00:05:12: Wir freuen uns sehr, dass du heute an unserem Podcast teilnimmst in dem wir ja die Geschichte der Leubeck-Institute oder des Leubecksinstituts ins Zentrum rücken wollen.

00:05:22: Dass im vergangenen Jahr sein siebzigjähriges Bestehen gefeiert hat weltweit wichtigstes Dokumentations und Forschungszentrum für die Geschichte des deutschsprachigen Judentums.

00:05:33: Und meine erste Frage, die sich vielleicht auf diese Geschichte bezieht ist.

00:05:38: Das vielleicht bekannteste Foto zur Geschichte des Deoberg Instituts ist ein Foto wo Martin Buber zusammen mit Hugo Bergmann und Ernst Simon auf einer Terrasse in Jerusalem sitzen während der Gründungsveranstaltung des LBI's im Jahre.

00:05:56: und jetzt haben sie diese drei Namen schon genannt.

00:05:58: Und mich würde eigentlich interessieren, wer ist der Personenkreis?

00:06:01: Der dieses Leubeck-Institut ins Leben ruft?

00:06:04: also aus welchen Motiven wird es gegründet?

00:06:08: welche Personen sind relevant und welche Ideen stehen hier eigentlich im Vordergrund?

00:06:12: Ja, vielen Dank erst mal zu dieser Einladung.

00:06:15: Das ist ganz richtig!

00:06:16: Zu den Gründungsmitgliedern zählen einige der bedeutendsten deutsch-jüdischen Gelehrten die die Shoah überlebt haben.

00:06:23: Die meisten von ihnen stammen aus dem liberalen deutschen Judentum und in der Gruppe, die das LBI in Jerusalem gründete dominierten humanistische Zionisten, die sich im Britisch erlauben – das bedeutet auf Deutsch Friedensbund für eine jüdisch-arabische Verständigung engagierten.

00:06:41: Der Philosoph Martin Buber, der Pädagoge- und Religionsphilosoph Ernst Simon, der Philosoph Hugo Bergmann, der Kabbalahforscher Gershom Sholen und der zionistische Politiker Kurt Blumenfeld waren bedeutende Vertreter des Britschalom.

00:06:58: Sie verbannt die Ablehnung jeglichen nationalen Chauvinismus mit der Idee vom Judentum als Ausdruck einer geistigen Welt der Ethik und Gerechtigkeit.

00:07:10: Martin Buber lehrte seit und dreißig Philosophie und Soziologie an der Librarischen Universität in Jerusalem.

00:07:16: Da Leo Berg erkrankt war, und bei den Gründungskonferenzen des Instituts nicht anwesend sein konnte, wurde Buber zur Symbolfigur der Gründungen und seinen Haus zum Symbolort der Veranstaltung.

00:07:30: Er bezeichnete die Zielsetzung des Institutes als eine geistige Aufgabe.

00:07:35: der Überlebende des deutschen Judentums.

00:07:38: In Deutschland hatte Buber die Idee einer kulturellen Symbiose zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland vertreten.

00:07:45: Und erst im März, neununddreißig erklärte er in der jüdischen Weltrundschau diese Idee sei beendet!

00:07:54: Die Stadt Jerusalem bildete für die überwiegend zionistische Gruppe, die den Aufbau des LBI begründete, den idealen Erinnerungsort für das deutsche Judentum der geplanten Institution.

00:08:08: Jerusalem erschien ihnen als der Sammelpunkt der geistigen Elite des deutschen Judentums.

00:08:15: Vielen Dank für diesen ersten Überblick in die Person, die hier wesentlich zur Gründung des LBI's beigetragen haben.

00:08:22: und du hast schon erwähnt Leo Beck selbst konnte an der Kundungsveranstaltung nicht teilnehmen und ich würde gleich nochmal auf ihn eingehen und fragen wie kommt es eigentlich oder wie kam es eigentlich dazu dass dieses Institut dass im Jahre nineteen und fünfundfünfzig ins Leben gerufen wurde, seinen Namen tragen sollte.

00:08:40: War das von Anfang an eine Entscheidung über die sich alle einig waren?

00:08:45: Man kann sagen es viele der Gründer in Leo Beck einen Symbol für das Beste sagen was sie als geistiges Erbe des deutschen Judentums bewahren wollten so beschlossen sie einen Namen zu wählen der vermögenslich viele aus Deutschland emigrierte Juden und Jüdinnen symbolischen Charakter haben würde.

00:09:03: Leo Beck war nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Thereseen statt im Jahr nineteen vierzehn fünfundvierzig nicht nach Deutschland zurückgekehrt, sondern hatte sich in Nonderhieder gelassen.

00:09:14: Als Überlebender der Shoah ehemaliger Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden und letzter Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin verkörperte er für viele deutsche jüdische Immigrantinnen das vergangene jüdischen Leben in Deutschland.

00:09:32: Als Präsident des Councils of Jews from Germany wurde ein Nachkriegsende zum Fürsprecher der deutschen Juden im Exil.

00:09:40: Beck war für die Menschen, die ihn vor den Krieg in Konzentrationslager Theresien statt und in der Nachkrikszeit kannten eine faszinierende Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung.

00:09:52: Sein Tod im November neunzigzechsundfünfzig bedeutete jedoch dass er praktisch keine aktive Rolle mehr in der Arbeit des Leo-Berge-Instituts spielen konnte.

00:10:02: Da habe ich da ganz kurz noch einmal nachfragen.

00:10:04: Beck, wie hat er sich dazu verhalten dass das Institut nach ihm benannt wurde?

00:10:10: oder hat der davon gar nicht mehr Notiz genommen?

00:10:13: Er hat er von Notiz genommen und er war sehr dankbar, und hat sich sehr berührt gezeigt über diese Namensgebung.

00:10:21: Es gibt also Briefe von ihm in dem er explizit erklärt, dass er sehr dankba über dieser Entscheidung war und das es ihn wirklich auch emotional angerührt hat.

00:10:33: Du hast die besondere Bedeutung von Jerusalem hervorgehoben als den Gründungsort, aber das Leubeck-Institut hat von Anfang an auch global gearbeitet.

00:10:44: Das heißt bis heute gibt es ja nicht nur in Jerusalem ein Arbeitszentrum sondern auch in London und New York.

00:10:49: Kannst du bitte ein bisschen mehr darüber erzählen wie es zur Auswahl genau dieser drei Städte kamen?

00:10:55: Und stimmt ist dass auch in Buenos Aires einen Arbeitszentrem entstehen sollte?

00:10:59: Welche unterschiedlichen Profile verbannten sich eigentlich mit diesen drei Standorten?

00:11:29: hatte bereits der ursprüngliche Plan von hierher eine ordentliche Dreiteilung des Instituts mit Standorten in Jerusalem, London und New York vorgesehen.

00:11:41: Die Einrichtungen eines Arbeitszentrums in Buenos Aires war in den frühen Entwürfen nicht vorgesehnt jedoch kam es im Laufe des Jahres da zu versuchen auch deutsch-jüdische Immigrantinnen und Immigranzen in Südamerika in die Arbeit des Institutes mit einzubeziehen.

00:11:59: Dort bestand aber damals keine Interesse an einer Mitarbeit.

00:12:03: Um die Arbeit grenzüberschreiten zu verbinden, wurde ein Central Board der heutigen International Board aus Vertretern der drei Council-Sektionen geschaffen.

00:12:13: An der Spitze des Instituts stand in der Vergangenheit wie heute der Internationale Präsident.

00:12:20: Der Jurist Siegfried Moses übernahm das Amt nach Leo Beck's Tod im Jahr neunzehntsechsundfünfzig.

00:12:27: Nach dem Wunsch der Israel-Sektion des Council sollte in Jerusalem nicht nur der organisatorische, sondern auch der geistige Mittelpunkt des Instituts entstehen.

00:12:38: Begründet wurde dies mit den Nähe der Hebräischen Universität und denen in Israel ansässigen großen Persönlichkeiten des deutschen Zionismus wie Martin Buber, Ernst Simon, Gershom Sholemme und Kurt Blumenfeld.

00:12:51: Heute ist das RBI Jerusalem mit seinem vielfältigen Veranstaltungsprogramm und hebräischen Publikationen eine bedeutsame Plattform für deutsch-jüdische Studien in Israel.

00:13:03: Das Editionszentrum des Instituts dagegen gelangte durch die Gründung des Englischsprachgenierbuch als dem Hauptveröffentlichungsorgan des Institutes, Die Herausgabe wurde dem prominenten Journalist Robert Weltsch, dem einzigen Herausgeber der jüdischen Rundschau anvertraut.

00:13:24: Der bereits seit Jahren in der englischen Metropole lebte.

00:13:29: Der Londoner Standort entwickelte sich damit zum heimlichen Mittelpunkt des Frühen Instituts.

00:13:36: Weltsch zeichnste nicht nur für die wissenschaftliche Qualität des Hierbuk verantwortlich, sondern wie es außerdem immer wieder darauf hin, dass das eigentliche Ziel des Instituts in der Schaffung eines Monumentalwerbs bestehen müsse.

00:13:49: Dass ein wirkliches Denkmal des deutschen Judentums darstellen würde.

00:13:55: Heute bildet das vom RBI London herausgegebene Hierbuck das wichtigste wissenschaftlichen Forum auf dem Gebiet der deutsch- jüdischen Geschichte weltweit.

00:14:06: Die Instituts in der Lassoe, New York wiederum, umfassierte zu dem Ort an dem die Kontinuität früherer kultureller Projekte deutsch- jüdischer Historiker wie Eugen Teubler am stärksten sichtbar wurde.

00:14:18: Die Entwicklung einer Bibliothek mit den Schwerpunkten Wissenschaft des Judentums und Geschichte der Aufklärungszeit, die der erste Direktor des New Yorker Instituts Max Kreuzberger zügig vorantrieb bildet die Realisierung früherer Projekter einer Memorial Library.

00:14:35: Max Kreuzberger übernahmt zudem die Initiative für den Aufbau eines Archivs, dessen Bestand binnen weniger Jahre beeindruckende Ausmaße annahm und heute die weltweit bedeutendste Sammlung für die Geschichte des deutschsprachigen Judentums darstellt.

00:14:51: Heute ist das New Yorker Institut aufgrund seines kostbaren historischen Archives und der weltberühmten Bibliothek das größte und international bekannteste der drei Institute.

00:15:03: Ja, sehr interessant.

00:15:04: Mich erinnert das immer wenn du so davon erzählst die drei verschiedenen Standorte, die sich ja dann doch irgendwie recht früh auch eine gewisse Richtung entwickelt haben.

00:15:12: Ich finde da steht immer so sinnwillig für diese deutsch- jüdische Diaspora, die ja auch eben so ein man mag es deutsch jüdisches Kulturerben nennen vereint dass sie teilt aber dass dann eben an den jeweils unterschiedlichen Orten doch sich anders entwickelt mit Blick auf die dort lokale

00:15:31: Umgebung.

00:15:32: Ja, also du hast es erwähnt.

00:15:34: Es gibt diese drei Standorte mit jeweils auch einem eigenen Profil und es kam recht früh dann so Ende der fünftiger Anfang der sechziger Jahre von Seiten der LBI's in London und New York zu einer gewissen Abspaltung von dem Jerusalemer Zentrum.

00:15:51: Magst Du da ein bisschen was zu erzählen?

00:15:53: Welche Entwicklungen und Spannungen dem vorausgegangen sind?

00:15:57: Ja, das ist hier interessant und zwar hat die ursprüngliche Idee einer institutionellen Einheit der drei Arbeitsstätten mit einem Zentrum in Jerusalem von Beginn an zu Konflikten geführt.

00:16:08: Durch das junge LBI lief in ideologischer Hinsicht eine ähnliche Aufspaltung wie durch das deutsche Judentum der Weimarer Republik.

00:16:17: Viele der ersten Institutsmitglieder hatten sich in der zionistischen Vereinigung für Deutschland oder, wie im Londoner LBI, im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens engagiert.

00:16:29: Obwohl die zionistsische Option eine Minderheitenposition innerhalb des deutschen Judentums dargestellt hatte, spielte ein zionistesches Selbstverständnis in der Gründergeneration generell eine erhebliche Rolle.

00:16:43: Mit Siegfried Moses in Jerusalem, Max Kreuzberger in New York Und Robert Welch in London wurden alle drei Institute zunächst von Zionisten geleitet.

00:16:54: Zugleich

00:16:55: bestand im heimlichen Mittelpunkt, dem Londoner RBI aufgrund der Präsenz zahlreicher ehemaliger Mitglieder des Zentralvereins eine starke liberale Strömung.

00:17:06: Diese sollte in den folgenden Jahren das Image des Instituts auch nach außen maßgeblich prägen – die Jerusalemer Leitung konnte letztlich nicht verhindern!

00:17:17: dass sich bereits in dekantem Jahrhundfünfzig das LBI New York und neunzehnzechsig das LBI London von der israelischen Zentrale abgrenzten.

00:17:26: Und dann selbstständig machen.

00:17:28: Vielen Dank!

00:17:29: Jetzt haben wir über Jerusalem, New York oder London gehört... Bereits, wenn ich es richtig sehe, wurde aber auch in der Bundesrepublik ein Kreis von Freundinnen und Freunden ins Leben gerufen.

00:17:42: Meine Frage ist eigentlich wie kam es dazu dass dieser Unterstützerinkreis gegründet wurde?

00:17:49: Und wer waren hier die entscheidenden Protagonisten?

00:17:51: und um die Frage vielleicht noch ein bisschen zu erweitern... Ab den sechziger Jahren begann ja dann auch Wissenschaftsbeziehung zwischen den LBI und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland, den Gang zu kommen oder erst Kooperationen zu beginnen.

00:18:07: Wie hat sich das eigentlich vor dem Hintergrund des Holocaust gestaltet?

00:18:12: Die treibende Kraft hinter der Gründung des Fördervereinses Leo Becke Instituts in der BRD war Ernst Loventhal, ein ehemaliger Funktionär des Zentralvereins und Mitarbeiter des Londoner Arbeitszentrums.

00:18:24: Der promovierte Volkswirtschaftler war seit deiner Zeit die Claims-Konfinanz in Deutschland tätig.

00:18:32: Und aufgrund seiner ausgedehnten Kontakte fungierte Loventhall für das RBI vor allem als Kontaktpersonen in der Bundesrepublik Deutschland.

00:18:40: Seit枚fünfzig beteiligte er sich maßgeblich am Aufbau der Gesellschaft der Freunde des RDI in Frankfurt am Main.

00:18:49: Es war also kein Zufall, dass gerade das Londoner-Institut mit seiner liberalen Mehrheit die Hauptverantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft und seit Mitte der neunzehntosächsiger Jahre um auf die zweite Frage zurückzukommen auch für die Kontakte zu nicht jüdischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in Deutschland

00:19:09: übernahm.".

00:19:10: Obwohl im ersten Institutsjahr zehnt, dass LBI in seiner Gesamtheit gegenüber Deutschland aus dem Land der Täter Distanz warte, sahen die London-Mitglieder in den Beziehungen zu nicht jüdischen Deutschen gelehrten eine zentrale Voraussetzung für die wissenschaftliche Vernetzung und die Zukunft des Instituts.

00:19:32: Ja, vielen Dank.

00:19:33: Du hast jetzt schon einige Namen von Männern genannt und auch in deinen Publikationen zum Leo Beck-Institut stellst du ja heraus dass es gerade zu Beginn regelrecht eine Männerdomäne gewesen sei die dort tätig wurde.

00:19:45: aber es waren durchaus auch Frauen involviert Und das erste Buch das in der Schriftenreihe des LBI erschien war Hannah Arendts Biografie der deutsch jüdischen Schriftstellerin Rahel van Hagen und Arendt selbst gehörte eben auch zu den Gründungsmitgliedern das Institut aber in der Kontroverse im Zuge um ihr Buch über den sogenannten Eichmann-Prozess.

00:20:10: Kannst du über diesen Trennungsprozess etwas erzählen, wie es dazu gekommen ist und vor allem welche Rolle spielten denn eigentlich Frauen wie Ahrendd in dem frühen Jahr des LBI?

00:20:21: Hannah Arendt gehörte aufgrund ihrer wissenschaftlichen Brillianz, ihres weitreichenden akademischen Rufes und geistreichen Charms anfangs zu den prominentesten und beliebtesten Mitarbeiterinnen in der Männerdomäne des frühen LWI.

00:20:35: Auch versprachen ihre Werke Erfolg, da sie in den USA und Europa eine Bekanntheit war – so sicherte sich das Institut Ihre Biografie der Rachinweiler-Hadner als einer seiner ersten Veröffentlichungen überhaupt!

00:20:48: Aren selbst jedoch fühlte sich von Beginn an als Außenseiterin im Institut.

00:20:54: Sie hatte große Schwierigkeiten, sich mit der erinnerungskulturellen Funktion des Instituts zu identifizieren, dass sie positiven Aspekte der deutsch- jüdischen Geschichte für die eigene Gruppe und nachfolgende Generationen in der Erinnerung wachhalten wollte.

00:21:10: Bereits in aundfünfzig trat sie aus dem Vorstand des New Yorker Instituts demonstrativ aus, obwohl der internationale Präsident Siegfried Moses sie persönlich von dem Austritt hatte abbringen wollen.

00:21:25: Danach trug sie für eine Weile noch den Titel eines Fellowes des Leoberg-Institutes.

00:21:30: als sie dort neunzehntig Jahre ins Werk Eichmann in der Jerusalem erschien Und ihre Thesen über die angebliche Kollaboration der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und der Judenhälte in den besetzten Ländern mit dem NS-Regime einen weltweiten Sturm der Entrüstung entfachten, sah sie sich auch im Institut heftigster Kritik ausgesetzt.

00:21:54: Hätte Sie am April neunzer dreiundsechzig ihr Fellowship beim LBI New York nicht freiwillig zur Verfügung gestellt, wäre sie zum Verlassen des Instituts aufgefordert

00:22:05: worden.".

00:22:05: Mit dem Erscheinen ihres umstrittenen Berichtes über den Eichmann-Prozess brachen nicht nur ihr Verhältnis zum Leoberg-Institut als Säulchen.

00:22:15: Auch ihre langjährige Freundschaft zu Kurt Blumenfeld, Gershom Scholem und Robert Weltsch gerieten eine unlösbare Krise.

00:22:25: In seinem anfänglichen Profil war das LWA in einem Männerdomäne, in der Frau nur in Ausnahmefällen einen Platz einräumt wurde Lediglich.

00:22:34: das New Yorker-Institut hatte bereits von Beginn einer Frauen in seinem Vorstand, nämlich Hannah Arendt die Historikerin Selma Stern und die Kunsthistorikerin Julie Braun Vogelstein.

00:22:46: In Jerusalem engagierte sich in den neunzentfünfziger Jahren Eva-Michailles Stern am Institut.

00:22:52: Ohne im Vorstand zu sein halb sie bei der Sammlung von Erinnerungen dem Grundstein des Archivs.

00:23:00: wurde die promovierte Soziologin und Historikerin Eva Reichmann trotz ihrer wissenschaftlichen Kompetenz erst nach dem Tod ihres Mannes Heinz-Reichmann im Jahr neunzehnundsechzig in den Vorstand des Instituts gewählt.

00:23:13: Sie agierte von Anfang an dem Hintergrund, und stand im Bord eine wissenschaftliche Frage häufig zur Seite.

00:23:20: Ausschlaggebend für die Entscheidung war eine generelle Reserviertheit der ersten Institutsgeneration gegenüber weiblichen Mitarbeiterinnen die erst die nachfolgenden Generationen allmählich überwinden konnten.

00:23:34: Ja, vielen Dank.

00:23:35: Ich denke diesen wichtigen Einblick und die oft übersehene Bedeutung von Frauen in der frühen Geschichte auch des LBI's.

00:23:42: aber du hast gerade schon über generationelle Wechsel- und Verschiebungen gesprochen und daran würde ich gerne anknüpfen denn es scheint so dass in den sechziger Jahren generell sich ein Generationswechsel im LBI vollzieht.

00:23:54: Martin Buber verstirbt, nennt sechzig, Robert Welch tritt in den Hintergrund in London Und mich würde interessieren wie kann man diesem wechsel Stehen, welche neuen Personen treten hier in den Vordergrund und wie beginnen sie das LBI neu zu prägen?

00:24:10: Zumal es sich ja um eine Generation handelt die hier in dem Vorderkont rückt.

00:24:14: Die nicht gleichermaßen noch die deutsch- jüdische Erfahrung der Zwischenkriegszeit eigentlich erlebte

00:24:20: hat.

00:24:21: Ja, das ist ganz richtig.

00:24:23: Der Generationswechsel war in den neunzehntundsechziger Jahren allseits sichtbar für die zweite Institutsgeneration.

00:24:30: Das waren Mehrheitliche Historiker, die zumeist schon als Kinder oder jugendliche Deutschland verlassen hatten, verlor die Denkmalfunktion der deutsch- jüdischen Geschichtsschreibung an Bedeutung.

00:24:41: In Jerusalem verlagerte sich der Themenschwerpunkt nun zum Zeitraum nach neunzelneuertreißig wie etwa in Schauleischt Studies in the Holocaust and Contemporary Jewry, die in den letzten drei Jahren auf Hebräisch erschienen.

00:24:56: Zahlreiche Dokumente, die Otto-Doft Kulka für seine Dissertation an der Hebräischen Universität während er in den Neunzehnten Jahrhunderten in Deutschland ermittelt hatte wurden im Kontext der Dokumete zur Geschichte der Reichsvertretung der Deutschen Juden in der Schriftenreihe des LBI in den Seben und Neunzig veröffentlicht.

00:25:16: Als der Historiker Josef Valk, den Vorsitz des LBI Jerusalem übernahm, waren die meisten der Künderväter nicht mehr am Leben.

00:25:26: Fünf Jahre zuvor war auch der energische Organisator und internationale Präsident des RBI Sigrid Moses gestorben.

00:25:35: Valk trieb die Professionalisierung des Jerusalema-LBI voran indem er vorwiegend jüngere israelische Historiker und erstmals auch Historikerinnen an das Institut brachte.

00:25:47: Unter den jungen Gelehrten befanden sich Robert Lieberles, Schuler mit Wolkhoff, Mosche Zimmermann und viele andere die bis heute eng mit dem RBI verbunden sind.

00:25:58: In New York gelang es Max Kreuzbergers Nachfolger Fried Krubel Aufgrund seiner guten Kontakte zur Jewish Restitution Successor-Organisation und der Claims Conference, die Erweiterung von Bibliothek und Archiv kontinuierlich vorzusetzen und die finanzielle Konsolidierung des Instituts sicherzustellen.

00:26:19: Die Attraktivität des Institutes für junge Forscher und Forscherinnen nahm seit den neunzentzebziger Jahren im Zuge eines wachsenden Interesses an Fragen der deutsch-jüdischen Geschichte sichtlich zu.

00:26:31: Schon bald bildete das LBI New York, auch aufgrund seiner Nähe zur Columbia University, New York University und im Jewish Theological Seminary den wichtigsten Referenzpunkt für Einschläge gearbeitet.

00:26:47: Monika Richterz war die erste deutsche Historikerin, die sich zwischen two and seventy-two und neunundseventig als Research Fellow am LBI in New York auffielte.

00:26:58: Die von ihr seit neunzehntsechsohn-siebzig herausgegebene, mehrwendige Memoareneditionen wurde zu einem Standardwerk deutsch-jüdischer Sozialgeschichte.

00:27:09: Als die Historiker Ismar Schorsch, neunzentat sechsundachzig das Präsidentenamt des LBI New York antrat und kurz darauf an dem Historiker Josef Chaim Hiroshami abgelöst wurde war die Zeit reif für eine Realisierung des ultimativen Ziels der Gründer, einer Gesamtgeschichte des deutschen Judentums.

00:27:43: Sein wichtigster Mitarbeiter und mittarausgeber des Bonementalwerks wurde in jungen Jahren der Historiker Michael Brenner, der heutige internationale Präsident des RBI.

00:27:56: In London involvierte Robert Weltsch zusammen mit dem an der Universität Liverpool lehrenden Historiker Hans Liebeschütz bereits seit Ende der neunzigundfünfziger Jahre Junge am britischen Universitäten ausgebildete deutsch-jüdische Wissenschaftler wie Arnold Pauker, Werner Mosso und Esra Benathan in ihr Institutsarbeit.

00:28:17: Eine gewisse Weltlichkeit der Gruppe trug maßgeblich dazu bei langfristige Kontakte auch zu nicht jüdischen Deutschen Gelehrten zu knüpfen.

00:28:26: Ein Glücksgriff für das RBI London war der neunzehnundzwanzig in Berlin geborene Literaturwissenschaftler und Historiker Arnold Pauker, den Weltschutz von neunundfünfzig als Direktor eingesetzt hatte.

00:28:39: Als Direktor und späterer Herausgeber des Hierbuck sollte er beinahe ein halbes Jahr hundert lang die Entwicklung des englischen Instituts entscheidend beeinflussen.

00:28:51: Der generationelle Wandel des Londoner LBI wurde in nineteen-sechzig eingeleitet durch den von Arnold Pauker und Werner Moss herausgegebenen Sammelband, Entscheidungsjahr neunzehntzweiunddreißig zur Judenfrage in der Endphase der Weimar Republik.

00:29:07: Er richtet sich den Fokus auf bisher weitgehend gemiedene Themen wie Nationalsozialismus und Antisemitismus und beteilete ausdrücklich auch nicht jüdische deutsche Wissenschaftler an dem Projekt.

00:29:21: Die Gründung der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leeuberg-Instituts in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr des Mauerfeils neunzehnundachtzig geht wesentlich auf Werner Mosses Initiative zurück.

00:29:34: Gezielt nahe mehr Kontakt mit dem Historiker Reinhard Rörup auf, der sich bereits seit den Neunzelhundertsiebzigerjahren mit deutsch-Jüdischer Geschichte und fragendes Antisemitismus beschäftigte.

00:29:46: Die Weltoffenheit des Londoner Instituts war eine Schlüsselvoraussetzung für die Entstehung der Arbeitsgemeinschaft als eigenständiger Organisationen des LBI in dem Land, von dem sich die Gründergeneration mehrheitlich distanziert hatte.

00:30:01: Mit Reinhard Röhrup und Monika Richards übernahm erstmals zwei nicht jüdische deutsche Historiker die Leitung einer dem LBI zugehörigen Institution.

00:30:13: Vielen Dank.

00:30:13: daran würde ich gerne anknüpfen, nämlich an die WAG und den Bogenschlagen zu einem Publikationsprojekt das wir auch hier in Potsdam aktuell verfolgen.

00:30:23: Nämlich ein Projekt zur Geschichten der deutsch- jüdischen Diaspora dass gewissermaßen an dieses Monumentalwerk, das du schon angesprochen hast, auch anknüpft, nämlich diese Gesamtgeschichte denn dies wirklich herausragend.

00:30:38: In der Hinsicht, dass hier diese drei Institute dann aus Synergien entwickelt haben zusammengekommen sind und eben die vierbändige Ausgabe dann erschienen

00:30:48: ist

00:30:48: mit dem Titel Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit, die sehr ambitioniert ist also wirklich vom frühen siekzehnten Jahr hundert bis neunzehnundvierzig geht.

00:30:57: Michael Brenner den du auch schon erwähnt hast hat dann wiederum ein paar Jahre später den fünften Band raus gegeben zur Geschichte von Jüdinnen und Juden in Deutschland nach.

00:31:08: Und jetzt ist wie gesagt ein sechster Band in der Mache, der hier bei uns im Potsdam in Kooperation mit der von dir erwähnten WAG also wir sind auch ein Leubeck Institutsprojekt entstehen soll.

00:31:21: Gibt es denn weitere Themen für die ein siebter oder achter Band deiner Meinung nach geplant werden müsste?

00:31:28: Also zunächst noch mal zu der deutsch- jüdischen Geschichte in der Neuzeit.

00:31:33: Das ist ganz richtig, dass mit dieser Rausgabe von Michael Mayer und Michael Brenner im Jahr sixundneunzig sich die Hoffnung erfüllten, die die erste Generation einst mit der Gründung des RBI verbunden hatte.

00:31:47: Und die Tatsache, dass die Publikationen weiterlaufen ist ein Beweis für die ungebrochene Aktualität der deutsch- jüdischen Geschichte vor allem innerhalb transnationaler und globaler Kontexte.

00:31:59: Interessant wäre aus meiner Sicht Epochenübergreifender Band über die Beziehung des deutschsprachigen Judentums zu anderen jüdischen Gemeinschaften in Europa, der den Transfer und die vielfältigen Verflechtungen von politischen Ideen sozialen Bewegungen und religiösen Strömungen diskutiert.

00:32:19: Darüber hinaus wäre ein aktuelles umfassendes Werk zur deutsch-jüdischen Geschlechtergeschichte ein wichtiges neues Publikationsprojekt, zumal das Institut sich in den letzten Jahren zunehmend Themen der jüdischen Frauen und Geschlechtergeschichte zugewandt hat.

00:32:35: Super, das klingt toll.

00:32:36: Jetzt gehen wir aber noch mal zurück.

00:32:39: Das Jüdische Museum Berlin begeht ja dieses Jahr sein twenty-fünfjähriges Jubiläum und steht auch in gewisser Weise in Beziehung zum Leo Beck Institut.

00:32:48: Denn im Jahr zwei Tausend Eins hat das New Yorker LBI eine Archivzweigstelle dort eben am jüdischen Museum in Berlin eröffnet die – und das finde ich auch wichtig zu betonen mit unter auf starke Ablehnungen unter einigen Mitarbeiterinnen des Instituts Stieß.

00:33:04: Darüber hinaus, seit Jahrzehnteuzehn unterhält das LBI New York auch ein Büro in Berlin.

00:33:11: Und da würde mich interessieren, kannst du etwas mehr zu diesen Spannungen erzählen und darüber wie sich das Verhältnis zu Deutschland ja dem Land der Täter heute gestaltet?

00:33:24: Das ist eine interessante Geschichte, wie das zu dieser Gründung gekommen ist.

00:33:30: stellte sich angesichts der vielfältigen Kontakte zu deutschen Gelehrten um die Jahrhauttausendwende immer häufiger, die Frage nach einer Niederlassung des RBA in Deutschland.

00:33:40: Vor diesem Hintergrund unterbreitete Michael Blumenthalde, Gründungsdirektor des jüdischen Museums in Berlin dem New Yorker Institut in den Vorschlag eine Zweigstelle am Museum zu eröffnen.

00:33:53: In seinen Augen bot das LBI eine wesentliche Grundlage für die Kontinuität deutsch- jüdischer Aussöhnung im einzigen Land der Täter.

00:34:05: Und ja, Blumenthalts Idee entfachte heftige Kontroversen in Institutskreisen hatte das LBI doch seit seiner Entstehung an einer Tätigkeit ausschließlich außerhalb Deutschlands festgehalten!

00:34:19: Jedoch setzen sich die Befürworter einer Öffnung, allen voran der damalige internationale Präsident Michael Meier schließt sich durch.

00:34:27: Sie blieben aber dabei, dass es nicht um einen Forschungsinstitut im Sinne eines Leo-Becke-Instituts in Deutschland handeln soll!

00:34:35: Die Eröffnung einer Niederlassung des New Yorker Archivs am Jüdischen Museum in Berlin, war ein deutliches Zeichen für eine Reorientierung des Instituts das eins überlebende Deschois in Jerusalem gegründet hatten.

00:34:49: Zwölf Jahre später entstand eine administrative Zweigstelle des LBI New York in Berlin um die Öffnungen des Institutes gegenüber Deutschland nochmals zu bestärken.

00:35:03: Heutzutage ist das Verhältnis zu Deutschland enger denn je.

00:35:07: Die neue Aufstellung des Instituts in Deutschland erwies sich als ein sicherer Weg ins XXI.

00:35:13: Jahrhundert, sie mündete eine Fülle neuer Kooperationen die Einwerbung zusätzlicher Mittel und eine Stärkung der internationalen Sichtbarkeit des Institutes.

00:35:25: Die öffentliche Relevanz des RBI als Symbol deutsch-jüdischer Geschichte und Erinnerung beweisen bis heute die regelmäßigen Besuche vor allem das New Yorker Instituts durch deutsche Politikerinnen.

00:35:40: Ja, vielen Dank.

00:35:41: Ich würde gern vielleicht daran anknüpfen und auch nochmal auf Vermittlungsinitiativen des LBIs zu sprechen kommen.

00:35:48: Wir haben ja darüber gesprochen dass das LBI im vergangenen Jahr sein siebzigjähriges Jubiläum gefeiert hat und sich vielleicht könnte man sagen von einer vor allem durch Männer geprägten intellektuellen Gedächtnisgemeinschaft zu einer vielfältigen Forschungsgemeinschafter entwickelt hat die nicht nur neue Themenschwerpunkte setzt sondern sich auch bewusst in Transnation also globalen Zusammenhängen bewegt und dabei auch Vermittlungsbemühungen deutsch-dicher Geschichte in den Vordergrund rückt.

00:36:16: Und meine Frage an dich ist, gibt es denn ein Bestimmungsprojekt unter den vielen Vermittlungsinitiativen des LBI die heute vor allem ja auch digitalen Charakter tragen dass du unseren Hörerinnen und Hörern vielleicht besonders ans Herz legen könntest?

00:36:30: möchtest?

00:36:31: Äußerst ansprechen, finde ich das es im Jahr zwanzig öffnete Global Citizen Science Project Library of Lost Books.

00:36:39: Das von LBI London in LBI Jerusalem und der Stiftung Erinnerungsverantwortung Zukunft gemeinsam kuriert wird.

00:36:48: Es ist eine groß angelegte Online Ausstellung die vor allem junge Leute weltweit erreichen will.

00:36:54: Im Mittelpunkt steht dort die Suche nach der Bibliothek der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die von den Nationalsozialisten geraubt und Nachkriegsende über die ganze Welt verstreut wurde.

00:37:07: Damit kommt auch die Entstehungsgeschichte des LBI wieder zum Vorschein denn als letzter tätiger Dozent der Hochschulen war Leo Beck an den Versuchen der Rettung ihrer Bibliothek ins Ausland eng beteiligt gewesen.

00:37:21: Ein weiteres für mich besonders originelles Projekt des LBI New York Berlin ist die Podcasterie Exile, da sie einen höherbaren Zugang zum wertvollen Archiv des LBIs eröffnet und auch damit richtet sich vor allem ein junges internationales Publikum.

00:37:40: Die twenty-zwei-zwanzig begonnene englische Podcastreihe handelt von jüdischem Leben während des Nationalsozialismus und basiert auf Briefen, Tagebüchern und Interviews aus dem Archiv des RBI.

00:37:53: Ende zwanzigstaatete auch eine deutschsprachige Version der Serie die von der Schauspielerin Iris Berben moderiert und in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung produziert und ausgestrahlt wird.

00:38:08: Ja, vielen Dank.

00:38:09: Das sind doch zwei ganz wunderbare Projekte die du uns da vorgestellt hast und wir werden auch in den Shownot zum Podcast entsprechend darauf verlinken.

00:38:18: Ich würde vielleicht, weil wir uns schon langsam dem Ende des Podcasts nähern noch einmal auch nochmal eine gesamte Rückschau wagen und dich fragen.

00:38:27: Bewahren erinnern und erforschen der Geschichte des deutschsprachigen Judentums standen im Zentrum der Arbeit des LBI's als es gegründet wurde und dann auch in den weiteren Jahren.

00:38:37: jetzt sind wir siebzig Jahre weiter und meine Frage ist einerseits Wie würdest du sagen, welche Relevanz und Bedeutung kommt diesem Themen in jetzt unserer globalen Gegenwart?

00:38:48: In einer globalisierten Welt zu.

00:38:49: Und vielleicht auch vor welchen Herausforderungen steht die Erforschung deutsch-jüdischer Geschichte auch im Zeitalter eines zunehmenden

00:38:58: Antisemitismus?".

00:39:00: Die Arbeit des RWI als Puttenbauer zwischen der deutschen und jüdischen Geschichte hat geradezu heutzutage eine zentrale weltweite Bedeitung.

00:39:09: aufgrund seiner globalen Ausstellung verbindet das Institut Forschung, Dokumentation und Diskussion in Europa den USA und Israel.

00:39:19: Besonders wichtig finde ich dass das LBI die deutsch- jüdische Geschichte als Bestandteil der Geschichte des jüdischen Volkes wie der der Deutschen behandelt und damit die Jahrtausend lange Traditionen und Zugehörigkeit jüdischem Lebens im Deutschsprachigen Raum unterstreicht.

00:39:37: Ein Gesicht der aktuellen Kriege- und Flüchtlingskrisen ist die Arbeit des RBI auch politisch relevant.

00:39:44: Flucht und Asyl sind Themen, die deutsche Juden und Jüdinnen mit ins Exil genommen haben – und das Selbstverständnis der Institutsgründer grundlegend prägten!

00:39:55: In einer Zeit in der viele Menschen weltweit wieder von Flucht, Vertreibung und Krieg bedroht sind….

00:40:01: hat die Arbeit des LBI insofern auch allgemeine demokratische und gesellschaftspolitische Bedeutung.

00:40:09: Ja, absolut.

00:40:10: Wie du das sagst, da denke ich auch bei uns im Diaspora-Projekt immer daran wie aktuell diese ganze Thematik ist.

00:40:17: Vielen Dank!

00:40:18: Lutz hat schon gesagt wir nähern uns leider dem Ende und das Ende des Podcasts geht immer einher mit so einer kleinen Standardfrage nämlich der Frage danach ob es einen bestimmten Ort gibt Das kann ganz breit gefasst sein den Du den Hörerinnen und Hörern empfehlen kannst um diese Folge mit Dir zu hören.

00:40:39: Ich denke, dass sich um ein sehr transnationales und globales Thema handelt.

00:40:43: Kann diese Podcast-Folge wirklich auf der ganzen Welt gehört werden?

00:40:48: Und zwar sowohl in Bibliotheken, in Archiven wenn das möglich ist als auch wirklich auf die Straße in New York, in London, Berlin, in Jerusalem oder in der Altstadt.

00:41:00: Insofern würde ich dort keine Grenzen ziehen.

00:41:05: Das Leoberg Instituts an sich ist so global international aufgestellt, dass auch für die Hörer und Höreren diese Internationalität bei dem Zugang zu dieser Sendung Bedeutung haben sollte.

00:41:20: Wunderbar!

00:41:21: Das klingt doch nach einer tollen Einladung und wir bedanken uns ganz herzlich für dieses schöne Gespräch mit dir das uns mitgenommen hat an – die drei wichtigen Orte in der Hinsicht und wünschen dir für deine weiteren Projekte alles Gute.

00:41:36: Vielen Dank und vielen Dank auch euch für die interessanten Fragen und das anregende Gespräch.

00:41:42: Vielen Dank auch noch einmal von mir, es war ein sehr gelungener Staffelabfluss und alles Gute!

00:41:51: Damit sind wir am Ende unserer Staffel zur Geschichte beziehungsweise den geschichtenden deutsch- jüdischen Diaspora angekommen.

00:41:58: Neben dem Dank an Sie liebe Hörerinnen und Hörern, wie ihr kontinuierliches Interesse freue ich mich nun den Staffelstarr weiter bzw zurückzugeben.

00:42:08: In Hamburg bereiten unsere Kolleginnen und Kollegen am Institut für die Geschichte der deutschen Juden bereits eine neue Staffel vor, in der sie sich dann dem Thema der Musik bzw.

00:42:19: dem Verhältnis von Judentum und Musik zuwenden

00:42:23: werden.

00:42:24: Also schalten Sie wieder rein und bleiben interessiert!

00:42:27: Wir hören uns!

Über diesen Podcast

Herzlich Willkommen bei Jüdische Geschichte Kompakt.

Auf unserem neuen Kanal können Sie einzelne Forschungsprojekte zur deutsch-jüdischen Geschichte und Gegenwart genauer kennenlernen und neue Perspektiven auf vermeintlich Alt-Bekanntes erhalten.

In unterschiedlichen Staffeln können Sie so wie durch ein Schlüsselloch einen Blick auf das weite Feld der Forschung zur deutsch-jüdischen Geschichte werfen und dabei gleichzeitig ganz bequem von zu Hause aus Neues und Interessantes über unser Land und unsere Geschichte erfahren. Die Staffeln werden mal gemeinsam, mal abwechselnd vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden (www.igdj-hh.de) in Hamburg und dem Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien (www.mmz-potsdam.de) in Potsdam bespielt.

An jedem ersten Freitag im Monat wird eine neue Folge des Podcasts online geschaltet und damit ein neuer Blick auf die jüdische Geschichte und Gegenwart freigegeben.

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Reinhören. Bleiben Sie interessiert und gesund!

Ihr Jüdische-Geschichte-Kompakt-Team

von und mit Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg (Björn Siegel) und Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch-Jüdische Studien, Potsdam (Miriam Rürup)

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